Montag, 8. August 2011

Aggressionen

Aggressionen sind in allen sozial hoch entwickelten Kulturen unserer Zeit zu einem zentralen Problem geworden. Es wird soziale Anpassung gefordert, was im Klartext heißt: "Verdränge deine Aggressionen!"
All diese verdrängten Aggressionen unserer lieben, friedlichen und sozial so gut angepassten Mitbürger treten als "Krankheiten" wieder ans Tageslicht und setzen letzlich der sozialen Gemeinschaft in dieser pervertierten Form genauso zu wie in ihrer Urform. Die Kliniken sind daher die modernen Schlachtfelder unserer Gesellschaft. Hier kämpfen die verdrängten Aggressionen gegen ihre Inhaber erbarmungslose Schlachten. Hier leiden die Menschen unter ihren eigenen Bosheiten, die sie ein Leben lang nicht wagten, in sich zu entdecken und zu bearbeiten.

Es sollte uns nicht wundern, wenn wir bei der Mehrzahl der Krankheitsbilder immer wieder auch der Aggression und der Sexualität begegnen. Beides sind Problembereiche, die der Mensch unserer Zeit am stärksten verdrängt. Vielleicht möchte manch einer einwenden, dass sowohl die steigende Kriminalität und vielen Gewalttaten als auch die sexuelle Welle gegen unsere Argumentation sprächen.
Darauf wäre jedoch zu antworten, dass sowohl das Fehlen als auch der Ausbruch von Aggression verdrängt wurden. Beides sind nur unterschiedliche Phasen des gleichen Prozesses.
Erst wenn Aggression nicht verdrängt werden zu braucht und somit von Anfang an einen Raum zugewiesen erhält, indem man Erfahrungen mit dieser Energie sammeln kann, ist es möglich, den aggressiven Persönlichkeitsanteil bewusst zu integrieren.
Eine integrierte Aggression steht dann als Energie und Vitalität der Gesamtpersönlichkeit zur Verfügung, ohne dass es zur süßlichen Sanftmut oder zu wilden Aggressionsausbrüchen kommt. Doch ein solcher Stand muss erst noch erarbeitet werden.
Dafür muss die Möglichkeit geboten werden, durch Erfahrungen zu reifen.
Verdrängte Aggressionen führen lediglich zur Schattenbildung, mit denen man sich in der pervertierten Form der Krankheit dann doch auseinandersetzen muss. Für die Sexualität wie für alle anderen psychischen Funktionen gilt das eben Gesagte analog.

Quelle: Krankheit als Weg

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