Dienstag, 26. Oktober 2010

Sag NEIN

In Erinnerung an Wolfgang Borchert,
der vor 87 Jahren am 20. Mai 1921 geboren wurde.

In Anlehnung an sein Gedicht „Dann gibt es nur eins!“ und im Spannungsfeld zu den aktuellen krassen Forderungen unseres Wirtschaftsministers, Michael Glos, entstand ein neues Gedicht.
Sag: NEIN!

Du. Mann an der Maschine und Mann in der Werkstatt. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst einen Ein-Euro-Job annehmen, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Frau hinterm Ladentisch und Frau im Büro. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Elektronikbauteile oder Gänseleber sortieren oder Spargel ernten, weil dein Büro nicht mehr existiert, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Besitzer der Fabrik. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Menschen beschäftigen, die unter Zwang zu Dir geschickt werden, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Forscher im Laboratorium. Wenn sie Dir morgen befehlen, du sollst eine Studie durchführen, um die Arbeitslosenstatistik zu verschönern, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst den freien Willen des Menschen leugnen, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Arzt der Arbeitsagentur. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst „Kunden“ arbeitstauglich schreiben, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Pfarrer auf der Kanzel. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst die Erwerbsarbeit segnen und die Vollbeschäftigung heilig sprechen, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Mutter von Kindern. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst dich bewerben, weil Du arbeitslos seiest, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Projektleiter des Arbeitsamtes. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Menschen zu Feststellungs- und Trainingsmaßnahmen zwingen, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Schneider auf deinem Brett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Uniformen zuschneiden für Erwerbslose, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Fallmanager. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Menschen Harz IV streichen oder kürzen, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Beamter. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst in der Wohnung von „Kunden“ schnüffeln, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Chefredakteur. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst auf den Bildschirmen zu den besten Sendezeiten nie das Ideal der Erwerbsarbeit hinterfragen, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Richter im Talar. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst Artikel 1 im Grundgesetz nicht beachten, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Bürger. Wenn sie dir morgen drohen, dein Geld zu streichen, wenn Du nicht nachweist, dass du dich 20 Mal im Monat bewirbst, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Erwerbsloser. Wenn sie dir morgen sagen, du solltest dich freuen, dass du überhaupt einen Job bekommst, dich waschen und rasieren, anstatt über die Höhe deines Lohnes zu verhandeln, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Angestellter. Wenn sie dir morgen sagen, du verlörest Deinen Job, wenn du noch einmal krank wirst, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn Du eine Vorladung vom Arbeitsamt erhälst und du deine Eingliederungsvereinbarung unterzeichnen sollst, dann gibt es nur eins:
Sag: NEIN!

Du. Mensch in der Normandie und Mensch in der Ukraine, du, Mensch in Frisco und London, du am Hoangho und am Mississippi, du, Vater in Neapel und Berlin und Kairo und Oslo - Mütter in allen Erdteilen, Kinder in der Welt, wenn sie morgen eure Leistungsbereitschaft überprüfen und euch zur Erwerbsarbeit zwingen wollen und euch sagen „Ihr seid faul“, dann gibt es nur eins:

Sagt: NEIN!

Du bist der Souverän,

Bist Du souverän, ein freier Bürger?

Wirtschaftliche Souveränität und die damit verbundene reale Entscheidungsfreiheit wird durch ein bedingungsloses Grundeinkommen erst möglich.

Durch das Entkoppeln der Arbeit vom Einkommen entsteht ein neues Bürgerrecht:

Das Recht auf "NEIN".

Quelle: "http://www.forum-grundeinkommen.de"

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